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Kom_Konzert Februar 2005

Peter Tschaikowsky (1840 1893) 4. Sinfonie fmoll op. 36

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Peter Tschaikowsky (1840 1893)

4. Sinfonie fmoll op. 36

Peter Tschaikowsky Peter Tschaikowsky

Als Tschaikowsky 1877/78 an seiner 4. Sinfonie schrieb hatte er sich bereits über Rußland hinaus mit verschiedenen Opern, dem ersten Klavierkonzert, dem Ballett „Schwanensee“ und zahlreichen kammermusikalischen Werken einen Namen gemacht. Trotzdem plagten den sensiblen Künstler häufig Selbstzweifel und Gefühle von Einsamkeit und Wertlosigkeit, die stark mit seiner homosexuellen Veranlagung zusammenhingen, die in der damaligen Zeit nicht öffentlich gelebt werden konnte. 1877, während seiner Arbeit an der 4. Sinfonie, spitzten sich seine Lebensumstände bedrohlich zu. Eine mit einer ihn verehrenden Musikstudentin eingegangene Scheinehe überforderte ihn maßlos. Nach einem Selbstmordversuch flüchtete er für mehrere Monate in die Schweiz und nach Italien. Dort versenkte Tschaikowsky sich ganz in seine Kompositionen, um sich „arbeitend zu erholen“, wie er selber später schrieb. Zu der Zeit arbeitete er nicht nur an seiner 4. Sinfonie, sondern auch an der Oper „Eugen Onegin“.

Die 4. Sinfonie Tschaikowskys enthält stark autobiographischen Charakter, wie er selber gesteht. In einem 1878 an seine Gönnerin Nadeshda von Meck geschriebenen Brief analysiert er das Programm dieser Sinfonie: „Der Kopfsatz enthält den Kern der ganzen Sinfonie, ohne Zweifel ihren Hauptgedanken. Das ist das Fatum – symbolisiert durch die Fanfare der Hörner und Fagotte zu Beginn – die verhängnisvolle Macht, die unser Streben nach Glück verhindert und eifersüchtig darüber wacht, daß Glück und Frieden nie vollkommen und wolkenlos werden, eine Macht, die wie ein Damoklesschwert über unserem Haupte schwebt und unsere Seele unentwegt vergiftet. Sie ist unbesiegbar, nie wird man sie überwältigen. Es bleibt nichts, als sich damit abzufinden und erfolglos zu klagen.“ Selbst ein aufkeimendes Walzerthema, das dem Verlangen nach Glück Ausdruck gibt, wird vom schicksalhaften Kernmotiv abgelöst. Auch ein alles Traurige vergessenes Klarinettensolo erscheint wie ein Traum und wird von der rauhen Wirklichkeit eingeholt. Im zweiten Satz malt das Oboensolo jenes melancholische Gefühl, das uns nach getaner Arbeit am Abend erfaßt. Ein Schwarm Erinnerungen taucht auf, das Sehnen nach Vergangenem. Den dritten Satz beschreibt Tschaikowsky: „Es sind kapriziöse Arabesken, unfaßliche Gestalten, die, von der Phantasie geschaffen, vorbeischweben, wenn man Wein getrunken und einen kleinen Rausch hat.

Man ... läßt sich von der Phantasie treiben, die seltsame Bilder entwirft...Und da fällt einem unter anderem der Anblick betrunkener Bäuerlein und ein Gassenliedchen ein.“ Das Allegro con fuoco des vierten Satzes zeigt den Frohsinn eines Volksfestes. Doch kaum ist die eigene Traurigkeit vergessen, kündigt sich das dunkle Thema des ersten Satzes erneut an, aber das heitere Volk kümmert sich nicht darum. Es bleibt der Trost. Tschaikowsky: „Freue dich an der Freude anderer – und das Leben ist zu ertragen!“

 

Gustav Mahler (1860 1911) aus: „Des Knaben Wunderhorn“

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Gustav Mahler (1860  1911)

aus: „Des Knaben Wunderhorn“

Gustav Mahler Gustav Mahler

Gustav Mahler, aus armen Verhältnissen stammend, war das zweite von zwölf Kindern. Dank seiner großen Begabung kam er bereits 15jährig an das Konservatorium in Wien und besuchte als Privatschüler den Unterricht Anton Bruckners. Sein Examen legte er mit Auszeichnung ab und erhielt erste Preise für Klavierspiel und Komposition.

Nachdem er in mehreren Orten, wie beispielsweise Laibach, Kassel, Leipzig und Hamburg als Kapellmeister gearbeitet hatte, wurde er 1897 Direktor der Wiener Hofoper. Hier revolutionierte er das Theaterleben, indem er den Spielplan veränderte und die Aufführungen als Dirigent und Regisseur in einer Person betreute. Durch seine intensive Arbeit am Theater blieb ihm nur im Sommer in den Theaterferien Zeit zum Komponieren.

Seine für Orchester geschriebenen Lieder nach „Des Knaben Wunderhorn“ entstanden zum größten Teil in den Jahren 1892 bis 1898 und wurden 1899 veröffentlicht. Die Texte der Lieder stammen aus der berühmt gewordenen Anthologie „Alte deutsche Lieder“, die Achim von Arnim und Clemens Brentano zusammengestellt und in drei Bänden 1806 und 1808 herausgegeben hatten. Die Beliebtheit der Anthologie liegt sicher in der Sehnsucht des 19. Jahrhunderts nach der verlorenen Unschuld einer fernen Vergangenheit.

Eine solche romantische Verklärung wies Mahler mit seinen Orchesterliedern entschieden zurück. Satt dessen nimmt er die Texte beim Wort, versetzt sich in die Gedichte hinein, als handelten sie von seiner Jetztzeit. Die Besonderheit der Wunderhorn Lieder beruht auf seinem Realismus und ihrem geradezu antiromantischen Charakter. Auch zeichnen sie sich durch außergewöhnlichen harmonischen Erfindungsreichtum aus.

Einige Vertonungen erhielten später einen anderen Kontext. So verwandte er beispielsweise das Thema von „Urlicht“ im langsamen Satz der 2. Sinfonie. Auch nachfolgende Sinfonien beziehen sich oft en passant auf „Wunderhorn“ – Vertonungen.

 

Charles Gounod (1818 1893) „Petite Symphonie“ für Bläser

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Charles Gounod (1818  1893)

„Petite Symphonie“ für Bläser

Charles Gounod Charles Gounod

Charles Gounod, heute meist bekannt durch das „Ave Maria“, nach der Melodie zu Johann Sebastian Bachs erstem Präludium aus dem ersten Band des „Wohltemperierten Klaviers“, studierte zunächst privat bei Anton Reicha und wechselte nach dessen Tod an das Pariser Consérvatoire. 1839 errang er den Prix de Rome.

 

Zunächst befaßte er sich hauptsächlich mit geistlicher Musik und debütierte erst 1851 mit seiner Oper „Sapho“ zum Opernkomponisten. Erstmalige Berühmtheit erlangte er jedoch 1859 durch seine heute noch sehr geschätzte Oper „Faust“, die in Deutschland meist unter dem Tiltel „Margarethe“ gespielt wird. Neben weiteren Opern entstanden vor allem in den letzten Lebensjahren unzählige geistige Werke und auch die „Petite Symphonie“.

 

Paul Taffanel (18441908), der damals sehr berühmte Flötist und Organisator spezieller Kammermusikkonzerte für Blasinstrumente, bat Gounod, 1885 für diese Konzertreihe ein Werk zu komponieren. Gounod wählte, in Anlehnung an Mozarts Bläserserenaden, jeweils zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte und zwei Hörner als Besetzung. Aus Hochachtung vor seinem Freund Taffanel kam noch eine SoloFlöte dazu.

Wie die meisten Werke Gounods schaut die „Petite Symphonie“ in eine vergangene Zeit zurück. Auf formaler Ebene gleicht sie einer Sinfonie der „Wiener Klassik“. Trotzdem kann sie als romantisch bezeichnet werden, da die Melodien in großen farbigen Bögen gestaltet sind.

 

Der erste Satz beginnt mit einer langsamen Introduktion im Stile Haydns. gleitet dann aber in einen formalen Sonatensatz hinüber.

 

Das Adagio, der langsame zweiten Satz, erinnert an eine Opernarie. die Flöte spielt die Stimme der Primadonna, die anderen Instrumente werden zum Orchester, die bis auf wenige Soli die „Sängerin“ begleiten. Im Scherzo erinnert das Thema eher an die Melodie einer Jagd als an einen klassischen Tanz, doch enthält es ein vollständiges Trio mit anschließendem da capo des Hauptthemas.

Das Finale, ausgestattet mit zahlreichen Staccati und durch alle Instrumente des Ensembles wechselnde kleine Soli, bringt nicht nur den Spielern hörbares Vergnügen.

 

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 -1847) 5. Sinfonie d-moll op. 107

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Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 -1847)


5. Sinfonie d-moll op. 107

Felix Mendelssohn Bartholdy Felix Mendelssohn Bartholdy

 

Der 1809 in Hamburg geborene Felix Mendelssohn Bartholdy gehörte einer assimilierten deutsch-jüdischen Familie an. Sein Großvater war der bedeutende Philosoph Moses Mendelssohn. Obwohl die Eltern ihre Kinder im streng jüdisch patriarchalischen aber humanistischen Sinn erzogen, ließen sie 1816 die vier Kinder christlich taufen. Felix verleugnete jedoch nie seine jüdische Abstammung, obgleich ihm sein Christentum mehr als nur als „Entreebillet zur europäischen Kultur“ bedeutete.

Die Geschwister Mendelssohn erhielten eine umfassende Ausbildung, ohne je eine Schule besucht zu haben. Der Universitätsprofessor Carl Wilhelm Ludwig Heyse – Vater des Dichters Paul Heyse – unterrichtete Felix und seine drei Geschwister als Privatlehrer. Die musikalische Ausbildung übernahm zunächst die Mutter und ab 1819 Carl Friedrich Zelter, der Begründer und Leiter der Berliner Singakademie.

Felix Mendelssohn studierte in Berlin, wo er 1829 in der Singakademie die erste Wiederaufführung der „Matthäus-Passion“ dirigierte.

Ausgedehnte längere Bildungsreisen führten ihn von 1829 bis 1832 nach England, Schottland, Italien, die Schweiz und Frankreich. Im Jahr 1833 übernahm er das Amt des Musikdirektors in Düsseldorf und schließlich 1835 als Kapellmeister des Gewandhauses in Leipzig, wo er 1843 das erste Konservatorium in Deutschland gründete. Durch sein Wirken wurde Leipzig zu einem musikalischen Zentrum von internationalem Ruf.

Anlässlich der Verlesung der „Confessio Augustana“, der grundlegenden Bekenntnisschrift des Protestantismus vor 300 Jahren in Augsburg, komponierte Mendelssohn 1830 seine d-moll Sinfonie. Das Werk kam jedoch nicht zur Aufführung, da die Jubiläumsfeier, anlässlich der auf ganz Europa übergreifenden Unruhen der französischen Julirevolution, unterblieben. Die Uraufführung fand zwei Jahre später in Berlin statt.

Gleich mit den ersten Takten der langsamen Einleitung stimmt Mendelssohn in den „kirchlichen“ Charakter der Sinfonie ein. Am Schluss der Einleitung erklingt in den Streichern verhalten das „Dresdener Amen“, ein stufenweise ansteigendes Quintmotiv der sächsischen Liturgie, an. Dieses Motiv greift Mendelssohn noch einmal beim Übergang zwischen Durchführung und Reprise auf.

Nach dem Kopfsatz folgt ein B-dur Scherzo mit Trio in G-dur, danach ein langsamer Satz, der fast nur für die Streicher komponiert zu sein scheint.

Im Finale erklingt zunächst zaghaft in der Solo-Flöte der Luther-Choral „Ein’ feste Burg“, der am Schluss fortissimo in breiten Notenwerten erklingt. Mit diesem Choral gedachte der Komponist, dem Reformator ein Denkmal zu setzen.

Erst 1868 kam es zu einer posthumen Veröffentlichung dieser Sinfonie, so dass sie die verwirrend hohe Opus-Zahl 107 erhalten hatte.

 

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Mareike Morr

Mareike Morr wurde in Rotenburg a. d. Fulda geboren. Nach dem Abitur begann sie 1996 das Klavierstudium im Fach Instrumentalpädagogik bei Prof. KarlHeinz Kämmerling an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Während des Studiums unterrichtete sie an der Musikschule der Stadt Braunschweig. Im Jahr 2000 schloss sie ihr Diplom ab und legte 2001 im Rahmen der Ausbildungsklasse ihre Kammermusikprüfung im Bereich Liedbegleitung mit Auszeichnung ab. Zusätzlich begann sie ihr Gesangstudium bei Prof. Carol Richardson Smith, seit 2003 bei Prof. Christiane Iven. Neben ihrem Studium hat sie zahlreiche Auftritte als Oratorien und Liedsängerin. 2001 konzertierte sie in Chile im Rahmen des Musikfestivals „Semanas musicales“. Im Nordkolleg Rendsburg gibt sie seit 2002 Kurse für Liedgestaltung. 2002 sang sie die AltPartie in der „JohannesPassion“ von J. S. Bach u. a. in der Kölner Philharmonie und im Théâtre des Champs Élysées in Paris. Mareike Morr ist Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und des RichardWagner Verbandes.