Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 -1847)
5. Sinfonie d-moll op. 107
Felix Mendelssohn Bartholdy
Der 1809 in Hamburg geborene Felix Mendelssohn Bartholdy gehörte einer assimilierten deutsch-jüdischen Familie an. Sein Großvater war der bedeutende Philosoph Moses Mendelssohn. Obwohl die Eltern ihre Kinder im streng jüdisch patriarchalischen aber humanistischen Sinn erzogen, ließen sie 1816 die vier Kinder christlich taufen. Felix verleugnete jedoch nie seine jüdische Abstammung, obgleich ihm sein Christentum mehr als nur als „Entreebillet zur europäischen Kultur“ bedeutete.
Die Geschwister Mendelssohn erhielten eine umfassende Ausbildung, ohne je eine Schule besucht zu haben. Der Universitätsprofessor Carl Wilhelm Ludwig Heyse – Vater des Dichters Paul Heyse – unterrichtete Felix und seine drei Geschwister als Privatlehrer. Die musikalische Ausbildung übernahm zunächst die Mutter und ab 1819 Carl Friedrich Zelter, der Begründer und Leiter der Berliner Singakademie.
Felix Mendelssohn studierte in Berlin, wo er 1829 in der Singakademie die erste Wiederaufführung der „Matthäus-Passion“ dirigierte.
Ausgedehnte längere Bildungsreisen führten ihn von 1829 bis 1832 nach England, Schottland, Italien, die Schweiz und Frankreich. Im Jahr 1833 übernahm er das Amt des Musikdirektors in Düsseldorf und schließlich 1835 als Kapellmeister des Gewandhauses in Leipzig, wo er 1843 das erste Konservatorium in Deutschland gründete. Durch sein Wirken wurde Leipzig zu einem musikalischen Zentrum von internationalem Ruf.
Anlässlich der Verlesung der „Confessio Augustana“, der grundlegenden Bekenntnisschrift des Protestantismus vor 300 Jahren in Augsburg, komponierte Mendelssohn 1830 seine d-moll Sinfonie. Das Werk kam jedoch nicht zur Aufführung, da die Jubiläumsfeier, anlässlich der auf ganz Europa übergreifenden Unruhen der französischen Julirevolution, unterblieben. Die Uraufführung fand zwei Jahre später in Berlin statt.
Gleich mit den ersten Takten der langsamen Einleitung stimmt Mendelssohn in den „kirchlichen“ Charakter der Sinfonie ein. Am Schluss der Einleitung erklingt in den Streichern verhalten das „Dresdener Amen“, ein stufenweise ansteigendes Quintmotiv der sächsischen Liturgie, an. Dieses Motiv greift Mendelssohn noch einmal beim Übergang zwischen Durchführung und Reprise auf.
Nach dem Kopfsatz folgt ein B-dur Scherzo mit Trio in G-dur, danach ein langsamer Satz, der fast nur für die Streicher komponiert zu sein scheint.
Im Finale erklingt zunächst zaghaft in der Solo-Flöte der Luther-Choral „Ein’ feste Burg“, der am Schluss fortissimo in breiten Notenwerten erklingt. Mit diesem Choral gedachte der Komponist, dem Reformator ein Denkmal zu setzen.
Erst 1868 kam es zu einer posthumen Veröffentlichung dieser Sinfonie, so dass sie die verwirrend hohe Opus-Zahl 107 erhalten hatte.