Franz Schubert (1797 - 1828) Ballettmusik zu Rosamunde op. 26
| Kom_Konzert Februar 2009 |
Franz Schubert (1797 - 1828)
Ballettmusik zu Rosamunde op. 26
Symphonie Nr. 7 h-moll D 759 – Die Unvollendete
Die Geschichte von Schuberts Ballettmusik ist dabei wiederum verknüpft mit einer schillernden Persönlichkeit seiner Zeit: der Journalistin, Dichterin und Librettistin Helmina von Chézy. Der unfreiwilligen Komik ihres Librettos wurde bereits ein erheblicher Anteil am nur mäßigen Erfolg der Oper „Euryanthe“ von Carl Maria von Weber zugeschrieben, als sich Schubert auf eine Zusammenarbeit mit ihr einließ.
In ihrem Libretto „Rosamunde, Fürstin von Zypern“, wimmelt es nur so von intriganten Regenten, schmachtenden Liebhabern, vergifteten Briefen, schiffbrüchigen Prinzen, vereitelten Mordanschlägen, Verkleidungen und Verwechslungen. Auch wenn das Premierenpublikum Schuberts Musik mit Beifall aufnahm und die Wiederholung mehrerer Stücke forderte, konnte das Gesamtkonzept nicht überzeugen, so dass der Sekretär des Grafen Esterházy, Josef Karl Rosenbaum, noch am Abend der Premiere am 20. Dezember 1823 in seinem Tagebuch notierte: „Leer, langweilig, unwahr-scheinlich.“ Sein lakonisches Urteil wurde nahezu ausnahmlos in den fol-genden Besprechungen geteilt, so dass das Stück bereits nach der zweiten Aufführung abgesetzt wurde und damit den Schlusspunkt der zu Lebzeiten Schuberts aufgeführten Bühnenwerken bildete. Erst 1867 wurden die ver-schollenen Orchesterstimmen von George Grove in Schuberts Nachlass wiederentdeckt und die konzertante Aufführung der Werke allmählich Teil des Repertoires. Grove war auch der erste, der auf Grund von Übereins-timmungen in Tonart, Instrumentierung und Entstehungszeitpunkt darüber spekulierte, dass die erste Zwischenaktsmusik der Ballettmusik zu Rosa-munde der verschollene Finalsatz der „Unvollendeten“ Symphonie Nr. 7 sei. Damit stand er am Anfang einer Reihe von Personen, die sich durch das Fragmentarische dieses außergewöhnlichen Werks herausgefordert fühlten. Der Musikwissenschaftler Wolfram Steinbeck bemerkt zu Recht, dass es kaum ein Werk der Musikgeschichte gebe, um das sich so viele Fragen und „fantastische Geschichten und Legenden“ rankten wie um Schuberts „Unvollendete“. Warum existieren zwei Sätze in Reinschrift in der Partitur, vom dritten Satz aber nur die ersten neun Takte? Gab es einen vierten Satz? Warum blieb das Manuskript beinahe fünfzig Jahre bei Freunden Schuberts, so dass die Uraufführung erst 1865 stattfinden konnte? Warum gibt es kaum Zeugnisse Schuberts hierzu? Insbesondere die bohrende Frage „warum unvollendet?“ hat die Menschen immer wieder umgetrieben und zu Kuriositäten geführt, wie den 1928 von der Columbia Gramophone Company veranstalteten Wettbewerb zur „Vollendung“ der Symphonie. Die Nachwelt wird sich offensichtlich damit abfinden müssen, dass dieses „in jeder Hinsicht rätselhafteste“ (Steinbeck) Werk auch weiterhin Fragen auf-wirft. Der Physiker Albert Einstein hat es wohl auf den Punkt gebracht, als er in der Vossischen Zeitung am 18. November 1928 zum Ausdruck brach-te, was seiner Meinung nach zu Schubert zu bemerken sei: „Musizieren, lieben – und Maul halten“.
