César Franck (1822 - 1890)
| Kom_Konzert_Februar_2010 |
Symphonie in d-moll
„Das soll eine Sinfonie sein? Aber lieber Herr, hat man je erlebt, daß in einer Sinfonie ein Englisch Horn vorkommt? Nennen Sie mir doch eine Sinfonie von Haydn oder von Beethoven, in der Sie ein Englisch Horn finden! Na also, Sie sehen ganz klar, daß diese Musik von Ihrem Franck alles ist, was Sie wollen, nur keine Sinfonie!“ Diese Belehrung musste sich César Francks Schüler D'Indy von einem Konservatoriumsprofessor nach der Uraufführung der Symphonie in d-moll im Februar 1889 anhören. Überhaupt rief das Werk von César Franck widersprüchliche Reaktionen hervor. So schrieb Le Figaro am Folgetag etwas hilflos „Das neue Werk von Monsieur César Franck ist eine sehr bedeutende und mit den Mitteln der mächtigen Kunst des erfahrenen Musikers entwickelte Komposition, aber sie ist auch sehr dicht und gedrängt, so dass man auf Anhieb nicht alle Aspekte erfassen und ihre Wirkung erspüren kann [...]“. Und Debussy erklärte: „Die Symphonie von Vater Franck ist umwerfend. Mir wäre etwas weniger Format lieber gewesen. Aber die pfiffigen Ideen!“ Auf der Gegenseite ging man nicht immer so ausgewogen zu Werke: Gounod ließ sich zu der öffentlichen Äußerung hinreißen, in Francks Symphonie, die eine zyklische Form um ein Thema aus lediglich drei Noten entwickelt, sei „das Bekenntnis zur Impotenz bis zum Dogma getrieben.“ Später legte Ravel nach: von „Jahrmarktsklängen“ ist da die Rede und von „instrumentalen Fehlern“. All diese Äußerungen stehen im Kontext einer heute nur schwer nachvollziehbaren Debatte rund um die Société Nationale de Musique (S.N.M.), einer 1871 unter dem unmittelbaren Eindruck des Deutsch-Französischen Krieges gegründeten Gesellschaft zur Förderung einer eigenständigen, von deutschen Einflüssen unabhängigen französischen Musikkultur. Grob gesprochen, stritt man sich unter anderem darum, welchen Weg die französische Musik einschlagen solle, wie man es mit Wagner halte und wer der legitime französische Nachfolger Beethovens sei. Franck, seinem Charakter nach eher ein introvertierter Mensch, wurde hier wohl überwiegend gegen seinen Willen zu einer Symbolfigur allseitiger Vereinnahmung, die auch nach seinem Tode noch anhielt und unter anderem um die absurde Frage kreiste, ob Franck nun eher ein Belgier, ein Deutscher oder ein Franzose gewesen sei. Dem „Meister“ dürfte dies in letzter Konsequenz egal gewesen sein – er schien mehr in seiner inneren Welt zu leben, als sich Gedanken um seine Umwelt zu machen. So äußerte er sich gegenüber Paul Poujaud nach der eher mäßigen Wiedergabe seiner Symphonie bei der Uraufführung, die vom Publikum überwiegend mit eisigem Schweigen aufgenommen worden war: „Welch herrlicher Wohlklang! Und welche Aufnahme!“ In Summe blieb César Franck zu Lebzeiten der große Ruhm versagt; erst wenige Monate vor seinem Tod konnte der achtundsechzigjährige mit der Uraufführung seines Streichquartettes seinen ersten ungetrübten Erfolg feiern: „Seht ihr,“ sagte er zu seinen Anhängern, die auch in dieser Äußerung noch die Naivität ihres Meisters zu erkennen glaubten, „jetzt fängt das Publikum an, mich zu verstehen, ...“
