Antonín Dvořák (1841 -1904)
8. Sinfonie G-dur op. 88
Auf Verlangen seines Vaters absolvierte Antonín Dvořák zunächst eine Metzgerlehre und erst danach konnte er ab 1857 eine Ausbildung an der Orgelschule in Prag beginnen. Danach bestritt er seinen Lebensunterhalt als Organist und Orchesterbratscher, komponierte aber schon in jeder freien Minute. Johannes Brahms verhalf Dvořák zu einem endgültigen Durchbruch als Komponist, indem er sich bei seinem Verleger Fritz Simrock für die Veröffentlichung der „Klänge aus Mähren“ op. 32 und der „Slawischen Tänze“ op. 46 einsetzte. Von da an breitete sich das Interesse für Dvořáks Musik auch im Ausland rasant aus, erst in Europa, dann auch in den USA, wo er 1892, auf Initiative von Jeanette M. Thurber, eine Stelle als Direktor des National Conservatory of Music in New York angeboten bekam. Jedoch kehrte er schon 1895 wieder nach Prag an das Konservatorium als Kompositionslehrer zurück, wo er 1901 das Direktorat übernahm.
Knapp sechs Jahre nach Vollendung seiner 7. Sinfonie begann Dvořák die 8. Sinfonie zu schreiben. Trug die d-moll Sinfonie das Signum trotzigen Kämpfens und leidenschaftlichen Ringens, so kündet die Sinfonie G-dur von der Beruhigung, dem Frieden und der Freude an der Natur. Sie ist inspiriert von der landschaftlichen Schönheit um Vysoká bei Príbam, dem Sommersitz des Komponisten und ganz dem folkloristisch-böhmischen Idiom verpflichtet. Die Form der Sinfonie orientiert sich stark an melodischen Abläufen und spiegelt eher eine Abfolge poetischer Stimmungsbilder wieder, als ein streng sinfonisches Werk.
Im Kopfsatz beginnen zunächst Violoncello gemeinsam mit Fagott und Klarinette mit dem Motto der Exposition in g-moll. Dieses Motto findet sich jeweils wieder zu Beginn der Durchführung und Reprise und wirkt somit gliedernd. Das eigentliche erste Thema stellt die Flöte in G-dur dar. Das Seitenthema imaginiert eine böhmische Landschaft.
Eine Vielzahl melodischer Einfälle durchzieht das Adagio. Die leichten Anklänge an Tschaikowski deuten auf den damaligen engen Kontakt der beiden Komponisten.
Dem Scherzo in g-moll steht ein Trio in G-dur gegenüber. Es ist als Walzer gestaltet, der anmutig und souverän, in wiegender Melodik von den Holzbläsern umspielt wirkt. In der Coda wird er von einem temperamentvollen 2/4-Takt abgelöst, dessen Ursprung im slawischen Kosakentanz zu finden ist.
Das mit den Trompeten beginnende Finale verbreitet Glanz und Festlichkeit. In verschiedenen Abwandlungen lässt Dvorak das Hauptthema variieren. Um die Spannung des Werkes zu erhalten, erscheint der letzte Satz als eine Mischung aus Sonaten- und Variationsform.
Dvořák brachte seine 8. Sinfonie 1890 mit dem Orchester des Tschechischen Nationaltheaters in Prag zur Uraufführung. Bald darauf folgten weitere Aufführungen durch die „Philharmonic Society“ in London während seiner sechsten Englandreise. Als Ersatz für eine Dissertationsvorlesung erklang diese Sinfonie ebenfalls wieder am Abend vor seiner Promotion in Cambridge.
Durch ihre riesigen Erfolge in England erhielt die Sinfonie auch den Beinamen „Die Englische“.