Paul Dukas (1865 - 1935)
Scherzo L'Apprenti Sorcier
Deutlicher noch als Mendelssohns „Sommernachtstraum“ lässt sich Paul Dukas „Zauberlehrling“ der Programmmusik zuordnen. Der außermusikalische Bezug, der ein Wesensmerkmal der Programmusik ist, wurde vom Komponisten ausdrücklich in den Untertitel seines Werkes aufgenommen: „Nach einer Ballade von Goethe“. Goethes Ballade vom Zauberlehrling erzählt die Geschichte des vorwitzigen Magieauszubildenden, der die Abwesenheit seines Lehrmeisters nutzt, um seine eigenen Zauberkünste an einem Besen zu erproben. Das Reinigungsgerät soll dem Lehrling das lästige Wasserschleppen abnehmen, gerät aber außer Kontrolle, als der Zauberlehrling versucht, den scheinbar dienstbaren Geist wieder zum Stillstand zu bringen. Erschreckt muss er feststellen, dass weder seine magischen Kräfte noch die wütend geschwungene Axt dem verhexten Besen Einhalt gebieten können, sondern allein der – zum dramatisch passenden Zeitpunkt zurückkehrende – Meister. Dukas hat sowohl einzelne Elemente, wie den zum Leben erweckten Besen als Fagottthema oder den perkussiv umgesetzten Axtschlag, als auch die dramatische Entwicklung der Ballade, wie das immer unbarmherzigere Marschieren der Besen und das immer stärker anschwellende Wasser, musikalisch umgesetzt.
Wer will, kann sogar in dem seufzenden Bratschensolo gegen Ende des Stücks so etwas wie ein reuiges Schuldeingeständnis des ungehorsamen Lehrlings hören und in dem darauffolgenden Schlussakkord im fortissimo den strafenden Klaps mit dem Besen. Das tat offensichtlich Walt Disney, der mit seiner filmischen Umsetzung mit Mickey Maus als Zauberlehrling im Jahre 1940 dem Werk zu weiterer Bekanntheit verhalf. Bereits die Uraufführung am 18.05.1897 war ein großer Erfolg, so dass der „Zauberlehrling“ heute als Dukas' bekanntestes Werk gilt. Dukas selbst war extrem selbstkritisch, hat nur wenige Werke veröffentlicht und seine ab 1912 geschaffenen Werke aus ungeklärten Gründen nahezu vollständig verbrannt.