
Es ist auf die Initiative der Gründerin des New Yorker National Conservatory, Jeanette M. Thuber, zurückzuführen, dass Dvořàk im September des Jahres 1892 nach New York reiste, um den dortigen Direktorenposten einzunehmen. Dvořàk wurde von sämtlichen administrativen Aufgaben entbunden und konnte sich so voll und ganz seiner künstlerischen Arbeit widmen. An drei Tagen in der Woche unterrichtete er allerdings eine Kompositionsklasse, die aus acht Schülern bestand, von denen mehrere afro-amerikanischer Abstammung waren. Zu dieser Zeit war das New Yorker Konservatorium das einzige, das Studenten unabhängig von ihrer Hautfarbe und finanzieller Herkunft aufnahm. Die Kompositionslehrer von Charles Ives und Aaron Copland waren beide Schüler Dvořàks in New York. Dvořàks Hauptaufgabe sollte darin bestehen, amerikanischen Komponisten zu vermitteln, wie man Nationalmusik komponiert. Schon bald begann, er sich für die Musik der amerikanischen Farbigen und der Indianer zu interessieren. Seine farbigen Studenten hielt er dazu an, ihm Liedgut der Plantagenarbeiter vorzusingen. In einem Interview sagte Dvořàk 1893: „Ich bin jetzt überzeugt, daß die zukünftige Musik dieses Landes auf dem basieren muß, was man Negerlieder nennt. Das muß die wirkliche Grundlage einer jeden ernsthaften und originellen Schule der Komposition sein, welche in den Vereinigten Staaten zu entwickeln ist. Diese schönen vielfältigen Lieder sind das Produkt des Landes. Sie sind amerikanisch!“ Und dem New York Herald gegenüber äußerte er noch im selben Jahr: „Seit ich in diesem Lande bin galt mein tiefstes Interesse der Volksmusik der Neger und Indianer [...] und ich beabsichtige, alles in meiner Macht stehende zu tun, um die Aufmerksamkeit auf den glänzenden Melodienschatz zu lenken, den sie hier haben.“ Erste Skizzen zur 9. Sinfonie fertigte Dvořàk bereits im Dezember 1892 an, und im Mai des darauf folgenden Jahres beendete er die Arbeit an der Komposition. In seinem Nachlass wurden sowohl Fotos von Indianern gefunden als auch handschriftliche Aufzeichnungen darüber, dass er einen Stamm getroffen habe. Dvořàk bezeichnete diese Indianer als Kickapoo, die zum Stamm der Irokesen gehören sollten. Der angebliche Stammesname stellte die Musikwissenschaftler lange Zeit vor ein Rätsel, da man keinen Stamm dieses Namens lokalisieren konnte. Erst in den 1990er Jahren stellte sich heraus, dass Kickapoo kein Indianervolk meint, sondern es sich dabei um eine Pharmafirma, nämlich die Kickapoo Indian Medicine Company, handelt. Dvořàk hörte also keine originalen Indianergesänge, sondern „popularisierte Pseudoindianerklänge“. Mitglieder der umherziehenden Gruppe gehörten unterschiedlichsten Stämmen an und versuchten, mithilfe groß inszenierter Shows soviel „Sagwa“ wie möglich zu verkaufen. Die Anekdote zeigt, dass die These, Dvořàk habe echte Indianermelodien in seiner 9. Sinfonie verarbeitet, wohl nicht haltbar ist. Die pentatonischen Melodien werden als eine melodische Anlehnung an Negro-Sprirituals gedeutet, die Synkopen des Hauptthemas im 1. Satz als rhythmisches Element dieser Musiktradition. Dennoch sind auch diese beiden musikalischen Elemente in der folkloristischen Musik anderer Kulturen zu finden. Dvořàk selbst schrieb jedenfalls über die Sinfonie: „Eben beende ich die neue Symphonie E-moll. Sie macht mir große Freude und wird sich von meinen früheren grundlegend unterscheiden. Nun, wer eine Spürnase hat, muß den Einfluß Amerikas erkennen.“
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„De facto glaube ich gewiss, dass niemand in ganz Europa so berühmt ist, als der Herr Mozart mit seinen zweyen Kindern“. Zu diesem Urteil kam der Salzburger Stiftsbibliothekar Beda Hübner über die Familie Mozart, was nicht verwunderlich ist, wenn man sich das Reisepensum vor Augen hält, das der Vater Leopold seinen Kindern allein bis ins Jahr 1771, dem Entstehungsjahr der Divertimenti, auferlegt hatte. Frankreich, Holland, England, Belgien, Italien etc. - ganz West-europa hatte er mit dem jungen Mozart bereist, den Knaben bei Hofe und in öffentlichen Kon-zerten präsentiert, Kontakte geknüpft, Aufwartungen gemacht und systematisch in die Weiterentwicklung der Fähigkeiten seines Sohnes investiert; er wolle der „Welt ein Wunder verkündigen, welches Gott in Salzburg hat lassen gebohren werden.“ Aber Berühmtheit war nicht allein das, wonach der rastlose Vater für seinen Sohn strebte. So ermahnte er ihn später noch in seinen Briefen: „die schönen Worte, Lobsprüche und Bravißimo zahlen weder Postmeister noch Wirthe, sobald man nichts mehr gewinnen kann, muß man also gleich weitertrachten.“ Der fünfzehnjährige Sohn sollte sich eine ökonomische Basis schaffen, die nach dem Willen des Vaters die eines ernsthaften (Opern-)Komponisten sein sollte. In diesem Zusammenhang kann man sich die Entstehung des Divertimentos KV 136 vorstellen, das zu einer Dreiergruppe von ähnlichen Kompositionen aus diesem Zeitraum gehört, über die gleichermaßen wenig bekannt ist. Die Besetzung hat den Werken in der Literatur auch den Namen “Quartett-Divertimenti” eingebracht und viel ist darüber gerätselt worden, ob die Stimmen nun solistisch oder chorisch zu besetzen seien. Sicher ist, dass Mozart in diesen Werken sowohl die auf seinen Reisen aufgenommenen italienische Stilelemente souverän verarbeitet als auch über genügend Selbstbewusstsein verfügt hat, in ihnen mit eigener Stimme zu sprechen, so dass man sie sich als eine Art musikalischer Visitenkarte vorstellen kann, die Mozart auf diesen Reisen bei sich gehabt hat im Sinne der Weisung seines Vaters: „Dann Du must trachten auch mit der Composition etwas zu machen, und das geschieht, wenn man einige Sinfonien und Divertimenti abcopirter in bereitschaft hat, solche einem Fürsten, oder andern Liebhaber präsentieren zu können.“ Mozarts Divertimenti zeigen also einen Künstler im Werden, ein „Genie auf dem Sprung“ (Martin Geck), der noch dabei ist, seinen Platz zu suchen, dessen Werke aber auch schon zu dieser Zeit ahnen ließen, dass das „Wunderkind“ auch als Erwachsener Berühmtheit erlangen würde. So soll der damals in ganz Europa bekannte Komponist Johann Adolf Hasse, der von Voltaire als „Held des Jahrhunderts“ bewundert wurde, nach einer Opernaufführung Mozarts im Entstehungsjahr der Divertimenti gesagt haben: „Dieser Knabe wird uns alle vergessen machen.“

Zweimal wurde Brahms mit Ehrendoktoraten ausgezeichnet. 1876 verlieh ihm die Universität Cambridge diese Würde, 1879 jene von Breslau. Während er die letztere annahm, lehnte er die britische Auszeichnung ab, da sie statutengemäß nur mit der persönlichen Verleihung in Cambridge wirksam geworden wäre. In Breslau hingegen bedankte er sich mit einer Komposition, eben der »Akademischen Festouvertüre« op. 80. Sie entstand im Sommer 1880 in Bad Ischl, wobei er bei dieser Gelegenheit auch die »Tragische Ouvertüre« op. 81 beendete, an der er schon seit einiger Zeit schrieb, und sagte von beiden: „Die eine lacht, die andere weint.“ »Akademischen Festouvertüre« verstand er als musikalischen Spaß im Stile von Franz von Suppés Ouvertüre zur Operette »Flotte Bursche«[sic!]. Er verarbeitete darin vier studentische Motive: das Lied zur Auflösung der Urburschenschaft »Wir hatten gebauet ein stattliches Haus«, eine Phrase aus dem Landesvaterlied (»… hört, ich sing’ das Lied der Lieder …«), das sogenannte Fuchslied »Was kommt dort von der Höh’«, und schließlich das Gaudeamus, das einen furiosen Abschluss bildet, gleich einem Festzug oder feierlichen Einzug in die Aula. Eine gewisse Hintersinnigkeit bekommt die Ouvertüre durch die Verwendung des Liedes »Wir hatten gebauet ein stattliches Haus«. 1815 hatten sich in Jena die Studenten zu einer „Burschenschaft“ zusammengeschlossen, wobei der Begriff „Bursche“ und „Student“ zu der damaligen Zeit gleichbedeutend war. Es handelte sich also genau genommen um die allererste „verfasste Studentenschaft“, die sich zum Ziel genommen hatte, die landsmannschaftliche Gliederung der studentischen Zusammenschlüsse an den Universitäten abzuschaffen und alle Studenten in einer einheitlichen Organisation zusammenzuführen. Auch in der Politik, so das Ziel, sollte die Kleinstaaterei zugunsten eines vereinten Deutschlands abgeschafft werden, womit man sich politisch gegen Metternichsche Restauration und die staatliche Herrschaft stellte. Als 1819 diese „Urburschenschaft“ verboten wurde, dichtete August Daniel von Binzer das Gedicht »Wir hatten gebauet ein stattliches Haus«, das sich – mit einer eingängigen Melodie versehen – quasi als musikalische Form des studentischen Protestes rasch verbreitet. Brahms lässt die Melodie zunächst nur von drei Trompeten quasi „nur von wenigen“ erklingen, zu denen sich aber nach und nach alle Instrumente des Orchesters hinzugesellen und die Melodie in einem furiosen fortissimo wieder in das Anfangsmotiv der Ouvertüre führen. Ein musikalischer Studentenaufstand mit einem Augenzwinkern. Dass die Ouvertüre seine lockere Leichtigkeit behält, liegt eben sowohl in der Handhabung der Themen, als auch im pointierten Einsatz der Instrumente (z. B. watschelnder Gänsemarsch des Fuchsenliedes durch die Fagotte bis zum marschartigen Fest-Gaudeamus im Orchester-Tutti). Sie verursachten bei einigen akademischen Zeitgenossen Kopfschütteln und unverhohlene Ablehnung; die Musikwissenschaft belächelte es lange Zeit mit Herablassung. Heute versteht man diesen ironischen Humor und schätzt das Werk, das allein schon durch die häufigen Wiedergaben im Rundfunk zum wahrscheinlich meistgespielten Opus des Meisters wurde. Niemals ist studentischer Ulk mit den Mitteln des großen Orchesterapparates so wirkungsvoll umgesetzt worden wie in diesem »philharmonischen Exbummel«.
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