Johannes Brahms (1833-1897) Akademische Fest-Ouvertüre c-moll, op. 80
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»Akademischen Festouvertüre« verstand er als musikalischen Spaß im Stile von Franz von Suppés Ouvertüre zur Operette »Flotte Bursche«[sic!]. Er verarbeitete darin vier studentische Motive: das Lied zur Auflösung der Urburschenschaft »Wir hatten gebauet ein stattliches Haus«, eine Phrase aus dem Landesvaterlied (»… hört, ich sing’ das Lied der Lieder …«), das sogenannte Fuchslied »Was kommt dort von der Höh’«, und schließlich das Gaudeamus, das einen furiosen Abschluss bildet, gleich einem Festzug oder feierlichen Einzug in die Aula. Eine gewisse Hintersinnigkeit bekommt die Ouvertüre durch die Verwendung des Liedes »Wir hatten gebauet ein stattliches Haus«. 1815 hatten sich in Jena die Studenten zu einer „Burschenschaft“ zusammengeschlossen, wobei der Begriff „Bursche“ und „Student“ zu der damaligen Zeit gleichbedeutend war. Es handelte sich also genau genommen um die allererste „verfasste Studentenschaft“, die sich zum Ziel genommen hatte, die landsmannschaftliche Gliederung der studentischen Zusammenschlüsse an den Universitäten abzuschaffen und alle Studenten in einer einheitlichen Organisation zusammenzuführen. Auch in der Politik, so das Ziel, sollte die Kleinstaaterei zugunsten eines vereinten Deutschlands abgeschafft werden, womit man sich politisch gegen Metternichsche Restauration und die staatliche Herrschaft stellte. Als 1819 diese „Urburschenschaft“ verboten wurde, dichtete August Daniel von Binzer das Gedicht »Wir hatten gebauet ein stattliches Haus«, das sich – mit einer eingängigen Melodie versehen – quasi als musikalische Form des studentischen Protestes rasch verbreitet.
Brahms lässt die Melodie zunächst nur von drei Trompeten quasi „nur von wenigen“ erklingen, zu denen sich aber nach und nach alle Instrumente des Orchesters hinzugesellen und die Melodie in einem furiosen fortissimo wieder in das Anfangsmotiv der Ouvertüre führen. Ein musikalischer Studentenaufstand mit einem Augenzwinkern.
Dass die Ouvertüre seine lockere Leichtigkeit behält, liegt eben sowohl in der Handhabung der Themen, als auch im pointierten Einsatz der Instrumente (z. B. watschelnder Gänsemarsch des Fuchsenliedes durch die Fagotte bis zum marschartigen Fest-Gaudeamus im Orchester-Tutti). Sie verursachten bei einigen akademischen Zeitgenossen Kopfschütteln und unverhohlene Ablehnung; die Musikwissenschaft belächelte es lange Zeit mit Herablassung. Heute versteht man diesen ironischen Humor und schätzt das Werk, das allein schon durch die häufigen Wiedergaben im Rundfunk zum wahrscheinlich meistgespielten Opus des Meisters wurde. Niemals ist studentischer Ulk mit den Mitteln des großen Orchesterapparates so wirkungsvoll umgesetzt worden wie in diesem »philharmonischen Exbummel«.