Antonín Dvořák (1841-1904) Sinfonie Nr.9 e-moll op. 95, „Aus der Neuen Welt“
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Dvořàks Hauptaufgabe sollte darin bestehen, amerikanischen Komponisten zu vermitteln, wie man Nationalmusik komponiert. Schon bald begann, er sich für die Musik der amerikanischen Farbigen und der Indianer zu interessieren. Seine farbigen Studenten hielt er dazu an, ihm Liedgut der Plantagenarbeiter vorzusingen. In einem Interview sagte Dvořàk 1893: „Ich bin jetzt überzeugt, daß die zukünftige Musik dieses Landes auf dem basieren muß, was man Negerlieder nennt. Das muß die wirkliche Grundlage einer jeden ernsthaften und originellen Schule der Komposition sein, welche in den Vereinigten Staaten zu entwickeln ist. Diese schönen vielfältigen Lieder sind das Produkt des Landes. Sie sind amerikanisch!“ Und dem New York Herald gegenüber äußerte er noch im selben Jahr: „Seit ich in diesem Lande bin galt mein tiefstes Interesse der Volksmusik der Neger und Indianer [...] und ich beabsichtige, alles in meiner Macht stehende zu tun, um die Aufmerksamkeit auf den glänzenden Melodienschatz zu lenken, den sie hier haben.“
Erste Skizzen zur 9. Sinfonie fertigte Dvořàk bereits im Dezember 1892 an, und im Mai des darauf folgenden Jahres beendete er die Arbeit an der Komposition. In seinem Nachlass wurden sowohl Fotos von Indianern gefunden als auch handschriftliche Aufzeichnungen darüber, dass er einen Stamm getroffen habe. Dvořàk bezeichnete diese Indianer als Kickapoo, die zum Stamm der Irokesen gehören sollten. Der angebliche Stammesname stellte die Musikwissenschaftler lange Zeit vor ein Rätsel, da man keinen Stamm dieses Namens lokalisieren konnte. Erst in den 1990er Jahren stellte sich heraus, dass Kickapoo kein Indianervolk meint, sondern es sich dabei um eine Pharmafirma, nämlich die Kickapoo Indian Medicine Company, handelt. Dvořàk hörte also keine originalen Indianergesänge, sondern „popularisierte Pseudoindianerklänge“. Mitglieder der umherziehenden Gruppe gehörten unterschiedlichsten Stämmen an und versuchten, mithilfe groß inszenierter Shows soviel „Sagwa“ wie möglich zu verkaufen. Die Anekdote zeigt, dass die These, Dvořàk habe echte Indianermelodien in seiner 9. Sinfonie verarbeitet, wohl nicht haltbar ist. Die pentatonischen Melodien werden als eine melodische Anlehnung an Negro-Sprirituals gedeutet, die Synkopen des Hauptthemas im 1. Satz als rhythmisches Element dieser Musiktradition. Dennoch sind auch diese beiden musikalischen Elemente in der folkloristischen Musik anderer Kulturen zu finden. Dvořàk selbst schrieb jedenfalls über die Sinfonie: „Eben beende ich die neue Symphonie E-moll. Sie macht mir große Freude und wird sich von meinen früheren grundlegend unterscheiden. Nun, wer eine Spürnase hat, muß den Einfluß Amerikas erkennen.“