HAZ vom 24.06.1993
| Kritik |
Waldorfschule
Konzentriert
Das Orchester der Medizinischen Hochschule
Hannover unter der Leitung von
Bastian Heymel brachte sich durch dieses
Konzert dem hannoverschen Publikum als
präzise und dynamisch musizierender
Klangkörper wieder in Erinnerung.
Rhythmisch pointiert erklang die einleitende
Ouvertüre Beethovens zu Collins
Trauerspiel „Coriolan". Bastian Heymel
verfiel der Versuchung nicht, vordergründigen
Effekten nachzujagen, sondern arbeitete
die werksimmanente Dramatik
heraus. Im darauffolgenden 3. Klavierkonzert
Beethovens, c-Moll, war das disziplinierte
Aufeinanderreagieren von Solist
und Orchester bestimmend. zumal der
Komponist hier erstmals das Concerto-
Prinzip verwendet.
Lambis Vassiliadis
war ein interpretatorisch glaubwürdiger
Solist. Er gestaltete seinen Part mit klarem,
feinnervigem Anschlag wie mit Genauigkeit
und Flexibilität. Die Kadenz im
ersten Teil geriet dem Yaltah-Menuhin-
Schüler hingegen etwas zu wuchtig, so
daß manche dynamische Feinstruktur verwischt
wurde.
Schuberts 5. Symphonie B-Dur, diese
Hommage für Mozart, faßte Bastian Heymel
so auf, wie es irgendwo hieß, sie sei
„Mozart auf die Weise Schuberts", vielleicht
sogar mit einem Ruck näher zu
Mozart. Auch hier bewegte die Musiker
nicht vordergründige Brillanz, sondern
werkdienliche Konzentration auf die Substanz.
erl.